Cahoon Hollow Beach, vormittags

Donnerstag, 28.09.2006

Die Sonne wärmt meinen Rücken, ich höre die außergewöhnlich starken Wellen, die sich am Strand brechen, der Wind weht mir um die Nase. Cahoon Hollow Beach, vormittags. Unser letzter Tag auf Cape Cod.

Nach dem Tag auf Nantucket gestern haben wir beschlossen, unseren Aufenthalt in Wellfleet mit einem ruhigen und gemütlichen Strandtag ausklingen zu lassen. Ich liege auf einer Decke am Strand, genieße die Einsamkeit, lese die letzten Seiten meines Romans. Stephan hatte sich bereits vor einer Weile mitsamt Kamera abgeseilt. Fotosafari.

Die Welle, die dieses Mal bei Stephan für nasse Shorts sorgte (und das obwohl bislang ja immer ich diejenige war, die beim Hüpfen in den Wellen nicht schnell genug wieder ins Trockene kam), hielt uns aber nicht davon ab, noch eine Weile am Strand zu bleiben. Letztlich trocknen Kleidungsstücke ja doch schnell. Sonst wären wir nicht so lange dort geblieben. Allerdings hätten wir dann auch die drei Surfer verpasst, die den schönen Tag nutzen wollten. Sehr überlegen und unglaublich cool hatten sie sich in die Brandung gestürzt, doch sobald sie sich auf ihren Brettern aufrichten und tatsächlich auf den Wellen reiten wollten, landeten sie mit schöner Regelmäßigkeit neben ihren Boards... Wenn die drei nicht gar so gleich ausgesehen hätten, hätten wir vielleicht Wetten abschließen können. So begnügten wir uns damit, jedes Mal aufs Neue schadenfroh zu kichern, wenn die selbsternannten Supersurfer wieder von ihren Brettern kippten. Gut, dass wir weit genug entfernt waren - sie hätten ihren Auftritt vielleicht nicht so witzig gefunden!

Definitv witzig und seeeeeehr skurril war auch der Herr, der plötzlich mit einem roten Gleitschirm über der Düne auftauchte. Am Cahoon Hollow Beach muss man von der Straße eine etwa zwanzig Meter hohe Düne herab laufen, um ans Wasser zu gelangen. Keine besonders große Höhe, keine "Steilkante", kein fester Untergrund. Nur Sand. Und außerdem trotz Strandnähe ziemlich windgeschützt. Denkbar ungeeignet, um mit einem Gleitschirm starten zu wollen. Er wollte trotzdem. Immer wieder. Er nahm Anlauf (so es denn im Sand ging - in tiefem, lockerem Sand rennen ist nun mal nicht leicht), hob ab (oder vielmehr sprang in die Luft) und segelte, permanent einen knappen halben Meter über dem Boden, die Düne herab. Unten angekommen setzte er mehr oder weniger elegant im Sand auf, verwickelte sich in seinem Gleitschirm und benötigte die nächsten zwanzig Minuten, um den Schirm zu entwirren und mitsamt dem schweren Rucksack und Schirm die Düne wieder hinauf zu stapfen. Das ganze wiederholte sich vier bis fünf Mal. Dann legte unser tapferer Flieger eine Pause ein, hockte oben auf der Düne und starrte sinnierend aufs Meer hinaus. Vielleicht dachte er darüber nach, weshalb "I can fly" auf seinem T-Shirt stand (kein Witz!!) oder ob das Zeug, das er anscheinend geraucht hatte, wirklich so eine gute Idee gewesen war... Zu einem Ergebnis schien er allerdings nicht zu kommen. Als wir den Strand verließen, stapfte er gerade zu einem weiteren Versuch, dem etwa siebzehnten, die Düne hinauf.

Amerika - das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Was spielt es denn da für eine Rolle, wenn den eigenen Möglichkeiten Grenzen gesetzt sind..?

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Little grey island...

Mittwoch, 27.09.2006

Nantucket. Teuerste Ferieninsel der USA. Millionärs-Nest. "Little grey island in the sea", wie die Einheimischen sagen. Nantucket.

Wenigstens eine der beiden, Cape Cod vorgelagerten Inseln wollten wir uns anschauen. Bekannter und viel größer ist mit Sicherheit Martha's Vineyard, doch für einen Tagesausflug ohne Auto empfahl Dan uns, Nantucket zu besuchen. Die kleine Insel ist optimal für einige Stunden, alles ist einfach zu Fuß zu erreichen, es gibt wenig Autoverkehr und eine hübsche kleine Stadt.

Die Überfahrt machen wir mit der High Speed Ferry der Steamship Authority. Das Schiff hat schon bessere Tage gesehen, die Tagesparkplätze in Hyannis sind unverschämt teuer und die Sitzplätze an Deck aus Stoff und völlig durchnässt. Was wir beide erst bemerken, nachdem wir uns gesetzt hatten... Die Rückfahrt machen wir mit der anderen Fährgesellschaft, soviel steht bereits fest, bevor wir Nantucket auch nur sehen können.

Wir beginnen unseren Besuch mit einem Spaziergang durch Nantucket Town. Sehr schnell ist uns klar, weshalb die Bewohner vom "little grey island" sprechen - in Nantucket überwiegen die einfachen "salt boxes", kleine Häuser ohne viel Schnick-Schnack, verkleidet mit grauen Schindeln. Die engen Gassen wirken idyllisch, das 150 Jahre alte, unregelmäßige Kopfsteinpflaster trägt zum Charme der Filmkulissen-gleichen Insel bei. Einige der kleinen Häuser am Hafen und in den Gassen der kleinen Stadt sind mit Rosenstöcken bewachsen, von Zeit zu Zeit bleibt der Blick an den größeren, feudal wirkenden alten Kapitäns-Villen hängen. Alles ist gepflegt, sauber, hübsch - aber wieso ausgerechnet hier der Geldadel der USA ein Vermögen lässt, um eine eigene kleine salt box zu erwerben, ist mir unbegreiflich. Nantucket ist nicht glamourös, nicht überwältigend schön, nicht außergewöhnlich - es gibt Orte, die viel eindeutiger "Reichtum" signalisieren. Vielleicht ist gerade diese Einfachheit, diese leicht rustikale Rauhheit der Insel der Grund für die ungebrochene Beliebtheit dieses Ortes..?

Auch hier finden sich wieder die typischen Touristenfallen New Englands - Läden für Kunsthandwerk oder Antiquitäten und viele Galerien. Dazwischen zwei oder drei Souvenirläden, doch sehr dezent und mit vergleichsweise hochwertiger Ware. Wo in Provincetown quietschbunte, mit kitschigen Reliefmotiven besetzte Bilderrahmen für den schönsten Urlaubsschnappschuss angeboten werden, gibt es auf Nantucket mit Muschelschalen besetzte Holzbilderrahmen oder handgeflochtene Körbe mit geschnitzen Seemotiven auf dem Deckel. Vorzugsweise als "scrimshaw", als Schnitzerei aus Walknochen, die es eigentlich nur noch in Museen zu sehen oder vereinzelt zu teuren Preisen versehen mit dem Hinweis "antique" oder "reycled material", also "altes Material" (sprich der Wal wurde bereits vor 150 Jahren erlegt), zu kaufen gibt.

Eine unglaubliche Menge an scrimshaw-Kunst bietet das Nantucket Whaling Museum. Mehrere Leute in den verschiedenen Geschäften haben uns dringend empfohlen, das Whaling Museum zu besuchen - "if you don't do anything else on this island - go there!". Der Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Die Geschichte der Insel von den Anfängen als Wampanoag-Siedlung über die ersten Weißen, die sich hier niederließen, zu den Boomzeiten, als Nantucket eine der Walfang-Hauptstädte der Welt und ein Zentrum des amerikanischen Übersee-Handels war bis zur "recreation as artists' colony", als Künstlerkolonie, die schon in den 1880er und 1890er Jahren viele, viele Sommergäste anzog, ist hier zu sehen. Und natürlich - Wale.

Nicht nur scrimshaw, viele Ausstellungsstücke, die das Leben an Bord eines "whalers" illustrieren, sind hier zusammen getragen worden. Besonders beeindruckend ist die Eingangshalle - hier ist das Skelett eines Pottwales ausgestellt. Direkt daneben sieht man ein originales "whale boat", das typische kleine, sehr wendige Beiboot, von dem aus sechs Männer mit ihren Harpunen Jagd auf den Wal machten. Das Walskelett erscheint umso gigantischer, wenn man das kleine Holzboot - ohne Schutzmöglichkeit, ohne Hilfsmotor natürlich - daneben betrachtet. Gruselig, schockierend, unmenschlich - für Mensch und Wal. Die Geschichten rund um den Walfang braucht es da kaum noch - wie harpunierte Wale die Männer im whale boat über Meilen hinter sich herzogen, versuchten zu tauchen, rasend vor Schmerz die Boote angriffen, oder die Geschichte der "Essex", jenes Walfangschiffs, das 1821 von einem Pottwal versenkt wurde, deren Besatzung im Laufe der monatelangen Irrfahrt in den Beibooten zu Kannibalen wurde und die schließlich Hermann Melville zum berühmten Klassiker "Moby Dick" inspirierte...

Ergänzt wird die Ausstellung durch Schautafeln und Exponate, die das Leben der Quäker, der ersten Siedler illustrieren, die Geschäftsfrauen der "petticoat row" benennen, der Frauen der abwesenden Seeleute, die das gesamte Geschäftsleben Nantuckets in die eigenen Hände nahmen und des Überseehandels mit China. Nantucket war mal sehr wichtig - heute ist es "nur" sehr reich...

Nach zwei Stunden Geschichte und Geschichten ging es zurück in die Gassen des am Hafen liegenden Städtchens. Hier und dort schlenderten wir durch die Straßen, bewunderten die vielen Jachten (eines der wenigen deutlichen Indizien für die Zielgruppe der insel) und entschieden uns dann, für den Rückweg nicht wieder das hässliche Schnellboot zu nehmen, sondern die langsamere Fähre. Die Sonne schien, es war noch immer herrlich warm - die zwei Stunden auf dem Wasser waren ein wunderbarer Abschluss des Tages. Zumal uns bei der Hafenausfahrt ein seltener und ganz besonderer Anblick zuteil wurde - auf einem der großen Steine, die die Fahrrinne aus dem Hafen kennzeichnen, lag ein Seehund in der Sonne, beinahe regungslos und genoss das warme Wetter. Ein wunderschöner Anblick.

 

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Another perfect day in Provincetown

Dienstag, 26.09.2006

Schöner als heute kann ein Tag eigentlich fast nicht mehr sein. Die Nachricht von Leons Geburt, ein langer Spaziergang am Cahoon Hollow Beach, perfektes strahlend schönes Spätsommerwetter, ein Besuch im Whitman Quilt House und am Nachmittag die Sunset Whale Watch Tour - es war ein unglaublicher Tag.

Nach dem unglaublichen gestrigen Vormittag wollten wir es heute noch einmal wissen - wir wollten nochmal raus, nochmal aufs Meer, nochmal Wale sehen. Die Tour gestern war schön, spannend und beeindruckend. Dennoch - eine Tour am späten Nachmittag in den Sonnenuntergang, dazu noch an einem so strahlenden Tag wie heute - das wäre das i-Tüpfelchen.

Den Vormittag verbrachten wir am Cahoon Hollow Beach, einem Strand auf der Atlantikseite von Wellfleet. Hier bot sich uns das gleiche Schauspiel wie an P-Towns ocean beaches - eine schier unglaubliche Farbintensität ließ mich wünschen, richtig malen zu können. Diese Farben, dieses Licht einfangen - selbst mit unseren durchaus guten Kameras kaum wirklich möglich. Es scheint, als ob hier mehr Farbtöne wahrnehmbar sind, blau immer noch blauere Schattierungen aufweist, Sand die ganze Farbpalette von beinahe weiß bis dunkelkaramel abdeckt und das Wasser in ein und demselben Augenblick von hellgrün, klar, über türkis bis dunkelblau schillert.

Die Farbpalette wurde durch ein flammendes Orange ergänzt, als wir auf dem Meer den schönsten Sonnenuntergang erlebten, den man sich vorstellen kann. Wir waren tatsächlich um halb fünf nachmittags noch einmal mit rausgefahren. Und es war die beste Idee, die wir hätten haben können - das Wetter war perfekt, sonnig, warm, die See ruhig und die grauen Riesen in Partylaune. Anders kann man es nicht erklären, dass unser Boot, die Portuguese Princess, teilweise von bis zu zehn Walen umkreist wurde!  

Auch heute sahen wir wieder Jungtiere mit ihren Müttern - und ein ganz besonders vorwitziges Walbaby. Die zwei trauten sich sehr nah an unser Schiff heran. Der Motor war abgestellt, das Boot trieb und die beiden tauchten in immer geringerer Distanz zu uns wieder auf. Wir standen ganz vorne im Bug und konnten wunderbar beobachten, wie das Kleine sich immer weiter von der Mutter entfernte. Unter Wasser konnten wir die helle Unterseite des Tieres deutlich erkennen - es befand sich direkt unter unserem Bug, der ein Stück aus dem Wasser heraus reichte. Wir hielten die Luft an und starrten auf den hellen Fleck im Wasser. Dann plötzlich durchbrach die Oberfläche und nicht die bekannte Rückenflosse erschien - der kleine Wal stand beinahe senkrecht im Wasser uns streckte uns seinen Kopf entgegen!

ich habe selten so viele Kameraauslöser gleichzeitig klicken gehört. Der kleine Wal nahm uns in Augenschein! Dieses Spiel wiederholte sich och zweimal, bevor die Mutter das Kleine wieder unter ihre Fittiche nahm. Sie schwammen noch einige Runden um uns herum, bevor die zwei mit einem eleganten Schwung des gesamten Körpers wieder in tiefere Regionen herabsanken.

Gegen 18.30 Uhr ging langsam die Sonne unter. Ein Wal begleitete uns bereits seit einiger Zeit, tauchte immer wieder auf, wo wir ihn nicht erwarteten. Hohe Wasserfontänen und der  gigantische dunkle Körper vor der untergehenden Sonne - wenn ich es nicht erlebt hätte, hätte ich mich im Kino gewähnt. Es war beinahe zu schön, um wahr zu sein.

 

27.9.06 03:07, kommentieren

Eine tolle Nachricht von zuhause!!

Auch wenn es nichts mit unserer Reise zu tun hat - wir freuen uns so sehr, dass diese Nachricht einfach festgehalten werden muss:

LEON ist da!! Am 25.09.2006 um 20.16 Uhr geboren, gesund und munter, nach einer unkomplizierten Geburt von gerade mal drei Stunden. Wir freuen uns sehr mit den stolzen Eltern, der großen Schwester Laura und können es kaum erwarten, unser "neues" Patenkind nach unserem Urlaub kennen zu lernen.

WILLKOMMEN IM LEBEN, LEON!!

 

 

26.9.06 14:51, kommentieren

Graue Riesen

Montag, 25.09.2006

Wasser, so weit das Auge reicht. Tief dunkles, rauhes Wasser. Nicht grau, nicht grünlich wie Nord- oder Ostsee - der Atlantik ist tief dunkelblau. Zumindest an der Stellwagen Bank nördlich von Cape Cod, einem der größten "feeding grounds" für beinahe alle Walarten. Der Himmel ist blau-grau, die Wolken, die an Land noch so weit entfernt schienen, hängen immer tiefer. Die vielen Wellenkämme und -täler gaukeln dem Auge nach kurzer Zeit Bewegungen und dunkle Schatten vor.

Wir warten.

Eine Stunde etwa ist die Dolphin VII um die Spitze von Cape Cod herum gefahren und dann nördlich zur Stellwagen Bank abgebogen. Es sind nicht allzuviele Menschen an Bord. Vierzig vielleicht, nicht viel für ein Schiff dieser Größe. Allerdings sind wir bereits um zehn Uhr morgens aufgebrochen - für die großen Touristenbusse noch zu früh. Uns gefällt der viele freie Platz auf dem Boot allerdings, wir können herum laufen, die besten Plätze zum Fotografieren einnehmen, auf allen Seiten Ausschau halten.

Ausschau nach Walen. Nach diesen unglaublichen, riesigen Lebewesen, die uns Menschen in so vielen Dingen überlegen und dennoch so sehr von unserem Wohlwollen abhängig sind. Whale Watching ist DER Tourismusmagnet schlechthin in New England. Nachdem Wale kommerziell in New England nicht mehr gejagt werden dürfen, machen die Menschen nun anderweitig Geld mit den grauen Riesen. 30 Dollar pro Person sind nicht wenig Geld, aber der Gedanke, dass alle Einnahmen auch der Wissenschaft und dem Schutz der Tiere zugute kommen sollen, lässt uns die bösen Gedanken an geldscheffelnde Touristenboote schnell beiseite schieben.

Etwa eine Stunde sind wir unterwegs, als weit vor uns eine Wasserfontäne aufsteigt. Beim ersten Mal kaum zu sehen, wir sind schließlich noch ungeübte whale watcher. Gut, dass ein Meeresbiologe an Bord ist, der über Mikrofon alles deutlich erklärt. Er bestätigt, was wir nach der zweiten Fontäne glauben - direkt vor uns ist ein Wal. Der Captain drosselt das Tempo, bis wir beinahe still auf dem Atlantik dümpeln. Wir sind dem Wal bis auf ein dutzend Meter nah gekommen. Zu sehen ist noch nichts... Wir warten. Plötzlich zeigt sich eine verblüffend kleine, etwas schiefe Rückenflosse und beinahe lautlos hebt sich der gewaltige Körper aus dem Wasser. Wir sehen den Wal nicht in seiner ganzen Größe, er schraubt sich ein wenig aus dem Wasser und taucht direkt mit dem vorderen Teil des Rumpfes wieder ein. Erstaunlich schmal scheint der Rücken aus unserer Perspektive, sehr glatt und weich. Ich stelle mir vor, wie sich dieser Rücken wohl anfühlt. Ich empfinde Neugier, ein bisschen Scheu, aber keinen Ekel, kein "nass-und-fischig-iiiih"-Gefühl. Ein paar Mal wiederholt sich das Spiel. Der Wal zeigt sich nicht komplett, aber er scheint keine Angst vor dem Boot zu haben. Plötzlich sehen wir erneut eine Wasserfontäne, direkt neben dem großen Körper. Ein Jungtier!

Wir haben eine Wal-Mutter mit ihrem Baby gefunden. Das Junge, etwa acht bis neun Monate alt, wie uns John erklärt, wurde in der Karibik geboren und hat mit seiner Mutter die lange Wanderung entlang der Ostküste der USA bis hierher gemacht. Nach der Zeit vor Cape Cod, also nach dem anstehenden Herbst wird die Entwöhnung des Babys beginnen - und dann tritt es den langen Weg nach Süden alleine an.

Die Mutter scheint sich keine Sorgen um ihr Junges zu machen. Geduldig tauchen sie immer wieder auf, gleiten trotz ihrer enormen Größe elegant und wie schwerelos durchs Wasser. Bis sie genug haben und in die Tiefe versinken - mit einem wunderbaren Schwung der gewaltigen Schwanzflosse. Ein wunderschöner, Ehrfurcht einflößender Anblick.

An diesem Vormittag sehen wir insgesamt sieben oder acht Wale. Nicht alle sehen wir so nahe und so genau wie die erste Walkuh mit ihrem Jungen. Doch alle Sichtungen sind unbeschreiblich - im Angesicht dieser Tiere wird uns die angesichts der begrenzten  menschlichen Kraft und Größe monströse Brutalität unserer Spezies erschreckend bewusst. Diese Tiere könnten uns mit einem Schlag ihrer Schwanzflosse erschlagen - doch sie sind friedlich und dulden uns in ihrem Lebensraum. Sie wiegen ein Vielfaches von uns, sind an ihren Lebensraum extrem angepasst und benutzen ihre Energie um soviel effektiver als der Mensch - und doch sind sie darauf angewiesen, dass wir Menschen sie und ihre Lebensräume schützen.

Wale sind unglaublich. Es war ein unvergessliches Erlebnis, ihnen so nahe zu kommen.

27.9.06 03:41, kommentieren

Einmal Cape von vorn bis hinten und ein toller Abend

Sonntag, 24.09.2006

Viel ist heute nicht passiert. Das Wetter war noch immer etwas merkwürdig, für den Nachmittag waren schwere Stürme angesagt. Kein gutes Wetter zum Wale beobachten... Für den Strand war es zu windig, für einen ganzen Tag im Zimmer dagegen zu warm und ja auch immer mal wieder sonnig. Was tun?

Wir haben das gesamte Cape durchstreift. Mit dem Auto natürlich und der Erkenntnis, dass diese Halbinsel ein ganzes Stück größer ist, als man erwartet. Wir haben Leuchttürme besucht, Strände abgefahren (die in Provincetown sind noch immer die schönsten!) und große, eindrucksvolle "mansions" bewundert. In Sandwich haben wir DIE typische New England Idylle gefunden, einige kleine antique stores durchstöbert und die schönsten Routen abseits des "King's Highway", der Route 6, ausprobiert. Kein Tag der großen Erlebnisse - aber wir wollten ja auch mehr ausspannen in dieser Woche...

Am frühen Abend sind wir zu unserer abendlichen Strandwanderung aufgebrochen. Den Mayo Beach haben wir ja schon mehrfach besucht, aber diesmal sind wir komplett um Wellfleet herum spaziert, durch einen kleinen Wald, vorbei an schon leerstehenden und winterfest gemachten Cottages, in denen bis zum Frühling niemand mehr wohnen wird. In ein paar Wochen wird es hier fast überall so aussehen - die Saison ist vorbei und ab Oktober fällt das Cape in eine Art Winterschlaf.

Aber noch sind wir nicht soweit - wie wir am Mayo Beach eindrucksvoll erleben konnten. Der mittlerweile sehr stürmische Wind peitschte nicht nur die Wellen gegen den Strand, sondern auch die Wolken landeinwärts - so dass pünktlich zum Sonnenuntergang die Sonne strahlend hinter den Wolken hervor lugte. Wieder einmal waren wir überwältigt von diesem ungeheuer klaren und intensiven Licht, das hier alles in außergewöhnliche Farben taucht. Jede Blau-Schattierung wirkt tiefer, jeder Sonnenstrahl gleißender, das Weiß der Schaumkronen und der vielen, vielen Muschelschalen, die an den Strand gespült werden, leuchtender. Der Wind zerrte an uns, die Sonne schien uns - wie um sich für den unentschlossenen Tag zu entschuldigen - direkt ins Gesicht. Die Wellen platschten an Land, die vor dem Strand verankerten Boote tanzten nicht nur auf dem Wasser, sie kämpften regelrecht darum, nicht umgeworfen zu werfen. Alles glänzte, wie frisch poliert, wie rein gewaschen, obwohl kein Tropfen Regen gefallen war. Das Meer grollte, sammelte sich, warf die Wellen an Land, zog sich zurück, immer wieder. Nach zwanzig Minuten versank die Sonne dann hinter dem Horizont. Vorher hatte sie den gesamten Strand in gleißendes, goldenes Licht getaucht. Ein unglaubliches Schauspiel...

1 Kommentar 25.9.06 04:08, kommentieren

Entspannungstag oder Was tun bei schlechtem Wetter?

Samstag, 23.09.2006

Eigentlich wollten wir heute unsere Whale Watching Tour machen - die Plätze waren reserviert, beide Kameras schussbereit, warme Klamotten heraus gesucht. Doch schon beim Frühstück zog sich der Himmel bedenklich zu, so dass wir uns die Fahrt nach Provincetown eigentlich hätten schenken können...

Langer Rede, kurzer Sinn - nach einem kurzen Shoppingbummel durch P-Town, bei dem Stephan sich unter anderem in einen gigantischen, knallbunten Plüschdrachen verliebt und - "für Krümel, nicht für mich!!" - gekauft hat, sind wir wieder zurück nach Wellfleet gefahren und haben es uns lesenderweise vor dem Kamin gemütlich gemacht. Es war ziemlich stürmisch, nass und kühl - kein Wetter, um raus zu gehen und erst recht nicht, um sich vier Stunden auf einem Boot aufzuhalten... Am späten Nachmittag wurde es langsam wieder besser und wir beschlossen, einen längeren Spaziergang durch die "salt marshes" zu unternehmen, das Watt-ähnliche Marschgelände, das die ganze Insel zwischen ocean und bay beaches durchzieht.

Bei unserer Rückkehr lernten wir dann auch endlich Brad kennen, unseren anderen Gastgeber. Ebenfalls ein sehr sympathischer, herzlicher und sehr offener Mensch. Dan ist eher zurückhaltend - Brad sofort mit jedem auf Du und Du. Beide kümmern sich rührend um uns, haben immer Empfehlungen, was man unternehmen kann, wo es gutes Essen gibt, wie sie uns den Aufenthalt noch netter gestalten können. Als letztes Familienmitglied haben wir dann noch "Wolfgang", kurz Woolfie, den 15 Jahren alten silbergrauen Langhaarkater kennen gelernt, der sich hauptsächlich mit "eat and sleep" (so Brad) beschäftigt. Pinky, der übrigens deshalb so heißt, weil seine Ohren neben all dem weißen Fell so leuchtend rosa scheinen, ist eher der verspielte Tiger, der jeden schmusenderweise anfällt, Woolfie ein sehr distinguierter älterer Herr, der viel Wert auf die Annehmlichkeiten des Katzenlebens zu legen scheint. Eine hoch interessante und wirklich nette Familie, in die wir da hinein geraten sind!

1 Kommentar 24.9.06 02:04, kommentieren

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