Cahoon Hollow Beach, vormittags

Donnerstag, 28.09.2006

Die Sonne wärmt meinen Rücken, ich höre die außergewöhnlich starken Wellen, die sich am Strand brechen, der Wind weht mir um die Nase. Cahoon Hollow Beach, vormittags. Unser letzter Tag auf Cape Cod.

Nach dem Tag auf Nantucket gestern haben wir beschlossen, unseren Aufenthalt in Wellfleet mit einem ruhigen und gemütlichen Strandtag ausklingen zu lassen. Ich liege auf einer Decke am Strand, genieße die Einsamkeit, lese die letzten Seiten meines Romans. Stephan hatte sich bereits vor einer Weile mitsamt Kamera abgeseilt. Fotosafari.

Die Welle, die dieses Mal bei Stephan für nasse Shorts sorgte (und das obwohl bislang ja immer ich diejenige war, die beim Hüpfen in den Wellen nicht schnell genug wieder ins Trockene kam), hielt uns aber nicht davon ab, noch eine Weile am Strand zu bleiben. Letztlich trocknen Kleidungsstücke ja doch schnell. Sonst wären wir nicht so lange dort geblieben. Allerdings hätten wir dann auch die drei Surfer verpasst, die den schönen Tag nutzen wollten. Sehr überlegen und unglaublich cool hatten sie sich in die Brandung gestürzt, doch sobald sie sich auf ihren Brettern aufrichten und tatsächlich auf den Wellen reiten wollten, landeten sie mit schöner Regelmäßigkeit neben ihren Boards... Wenn die drei nicht gar so gleich ausgesehen hätten, hätten wir vielleicht Wetten abschließen können. So begnügten wir uns damit, jedes Mal aufs Neue schadenfroh zu kichern, wenn die selbsternannten Supersurfer wieder von ihren Brettern kippten. Gut, dass wir weit genug entfernt waren - sie hätten ihren Auftritt vielleicht nicht so witzig gefunden!

Definitv witzig und seeeeeehr skurril war auch der Herr, der plötzlich mit einem roten Gleitschirm über der Düne auftauchte. Am Cahoon Hollow Beach muss man von der Straße eine etwa zwanzig Meter hohe Düne herab laufen, um ans Wasser zu gelangen. Keine besonders große Höhe, keine "Steilkante", kein fester Untergrund. Nur Sand. Und außerdem trotz Strandnähe ziemlich windgeschützt. Denkbar ungeeignet, um mit einem Gleitschirm starten zu wollen. Er wollte trotzdem. Immer wieder. Er nahm Anlauf (so es denn im Sand ging - in tiefem, lockerem Sand rennen ist nun mal nicht leicht), hob ab (oder vielmehr sprang in die Luft) und segelte, permanent einen knappen halben Meter über dem Boden, die Düne herab. Unten angekommen setzte er mehr oder weniger elegant im Sand auf, verwickelte sich in seinem Gleitschirm und benötigte die nächsten zwanzig Minuten, um den Schirm zu entwirren und mitsamt dem schweren Rucksack und Schirm die Düne wieder hinauf zu stapfen. Das ganze wiederholte sich vier bis fünf Mal. Dann legte unser tapferer Flieger eine Pause ein, hockte oben auf der Düne und starrte sinnierend aufs Meer hinaus. Vielleicht dachte er darüber nach, weshalb "I can fly" auf seinem T-Shirt stand (kein Witz!!) oder ob das Zeug, das er anscheinend geraucht hatte, wirklich so eine gute Idee gewesen war... Zu einem Ergebnis schien er allerdings nicht zu kommen. Als wir den Strand verließen, stapfte er gerade zu einem weiteren Versuch, dem etwa siebzehnten, die Düne hinauf.

Amerika - das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Was spielt es denn da für eine Rolle, wenn den eigenen Möglichkeiten Grenzen gesetzt sind..?

29.9.06 03:07

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